Das Baugewerbe, Barometer und Pfeiler der Schweizer Wirtschaft

Es ist eine Binsenwahrheit: Wenn es der Bauwirtschaft gut geht, geht es der ganzen Volkswirtschaft gut. Denn seit über einem halben Jahrhundert ist das Baugewerbe ein echtes Barometer der Schweizer Wirtschaft. Seit 1950 trägt es im Durchschnitt 10% zum BIP bei.

 

Das Bruttoinlandprodukt (BIP) misst die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Landes. 1950 stellte die Schweiz Waren im Wert von rund CHF 25 Milliarden her. Diese Leistungsfähigkeit hat sich seither um den Faktor 30 vervielfacht und erreicht heute 700 Milliarden. Auch der Bau ist demselben Trend gefolgt. 1950 beliefen sich die Bauausgaben auf 2,5 Milliarden Franken, heute sind es 70 Milliarden.

Bauausgaben und BIP

 

Mit diesen Zahlen sind sämtliche Bauausgaben gemeint: das Bauhauptgewerbe, das Baunebengewerbe sowie die vor- und nachgelagerten Branchen. Insgesamt ist somit der Anteil von 10 Prozent des schweizerischen BIP unverändert geblieben, auch wenn das Wachstum zwischen 1950 und 2000 nicht immer linear verlief. Zunächst stiegen die Bauausgaben schneller als das BIP, bevor sie abflachten und danach langsamer wuchsen.

 

Ein Plan für die Überwindung der Krise 

Das Baugewerbe war schon immer eine wichtige Stütze der Schweizer Wirtschaft. Denn abgesehen vom Reichtum, den die Branche erzeugt, bietet sie auch sehr viele Arbeitsplätze. Insgesamt werden rund 300 000 Stellen gezählt. Die gute Gesundheit der Baubranche ist somit für die Schweizer Wirtschaft lebenswichtig. Aus diesem Grund haben der SBV und Infra Suisse einen Fünf-Punkte-Plan für den Weg aus der Coronakrise ausgearbeitet. Er stellt konkrete Forderungen an die öffentlichen Bauherren und hat den Vorteil, dass die Massnahmen ohne uferlose weitere Verschuldung sofort umgesetzt werden können. Bereits finanzierte Bauprojekte sollen unverzüglich in Angriff genommen werden. Die Ausschreibungen und Vergaben für die Planung neuer Projekte sind zu beschleunigen, damit in den kommenden Jahren ein genügend grosses Bauvolumen realisiert werden kann. Der Fünf-Punkte-Plan verlangt auch, dass laufende Planungen forciert und die Bewilligungsverfahren beschleunigt werden. Schliesslich müssen die Schutzbestimmungen gelockert werden, sobald es die Pandemiesituation zulässt, damit auf den Baustellen mit möglichst wenig Einschränkungen weitergearbeitet werden kann.

 

Abhängigkeit von anderen Branchen

Bei Anwendung dieses Fünf-Punkte-Plans können die Behörden somit einen sehr konkreten Beitrag zur Erholung der Bauwirtschaft und somit der Schweizer Wirtschaft leisten. Der Bau hängt nämlich auch von vorgelagerten Leistungen anderer Branchen ab. Dazu gehören etwa der Verkauf von Baumaterial oder die Arbeit der Architekten, die aus statistischer Sicht nicht der Baubranche angehören. Auch die Leistungen der Temporärarbeitenden werden nicht unter den Zahlen der Bauwirtschaft, sondern unter denjenigen der Vermittler und sonstigen Erbringer von temporären Dienstleistungen erfasst. Ohne Baugewerbe hätten auch die verschiedenen Erbringer dieser Vorleistungen keinen Bestand. Die Baubranche allein trägt 45% zum Mehrwert bei, wobei die Tendenz seit mehreren Jahren steigt.

Ein sicherer Wert, auch für die Zukunft

Wenn sich die Behörden und öffentlichen Bauherren hinter den Fünf-Punkte-Plan des SBV und von Infra Suisse stellen, wird das Baugewerbe weiterhin seine Rolle eines Pfeilers der Schweizer Wirtschaft spielen. Der Anteil von 10% des BIP dürfte relativ stabil bleiben. Angesichts des Bevölkerungswachstums mit einer Schweizer Bevölkerung von 10 Millionen Einwohnern bis 2030 wird der Bedarf an Investitionen in Infrastrukturen und Wohnraum hoch bleiben.

Selbstverständlich spielt die Inflation bei der Bewertung der Bauausgaben eine wichtige Rolle. Die  2,5 Milliarden Franken, die 1950 ausgegeben wurden, entsprechen heute rund 11 Milliarden Franken. Somit sind die Ausgaben real auf rund das Sechsfache gestiegen.

Auch das BIP ist inzwischen real sechsmal höher. Heute betragen die Bauausgaben der Schweiz rund 70 Milliarden Franken pro Jahr. Bisher war dieser Wert nur 1973 erreicht worden. In jenem aussergewöhnlichen Jahr trugen das Baugewerbe und die verwandten Branchen knapp 20 Prozen zum schweizerischen BIP bei, bevor der Wert nach und nach sank und sich in der Folge bei rund 10 Prozent stabilisierte.

Im internationalen Vergleich liegt der Beitrag des Baugewerbes zum BIP in vielen Ländern mit einer ähnlichen Wirtschaftslage wie die Schweiz ebenfalls bei rund 10 Prozent.

Die Broschüre «Zahlen und Fakten 2020» liegt der Juli-Ausgabe der «Schweizer Bauwirtschaft» bei. Sie kann  hier  heruntergeladen werden.

 

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