Der Macher, der gerne Moderator ist

Vorsprung dank Informationen, diesen Wettbewerbsvorteil verschaffte der SBV seinen Mitgliedern während des Corona-Lockdowns. Direktor Benedikt Koch ist froh, auf hochmotivierte Mitarbeitende zählen zu können. 

 

Wenn Bauführer am Donnerstagvormittag ihre Planungssitzung abhalten, dann sollen sie über die neusten Informationen rund um Corona verfügen – das ist die Benchmark, die sich die Geschäftsstelle des SBV gesetzt hat. Angesichts der Tatsache, dass der Bundesrat seit Corona jeweils am Mittwoch- und Freitagnachmittag informierte, keine einfache Aufgabe. Es hiess, zuerst herauszukristallisieren, was die Entscheide des Bundesrates für die Bauunternehmer bedeuteten. Danach mussten die Erkenntnisse – trotz juristischem Inhalt – in eine leicht verständliche Form gebracht werden. Und anschliessend musste alles auf Französisch und Italienisch übersetzt werden. «Ob sie im Home office waren, an der Weinbergstrasse 49 in Zürich oder an der Avenue de Savoie in Lausanne – die SBV-Mitarbeitenden haben keinen Aufwand gescheut, damit die Mitgliederinformationen jeweils am Mittwochund am Freitagabend verschickt werden konnten», freut sich der SBV-Direktor Benedikt Koch. Den Sondereffort am Freitag erklärt er so: «Wir wollten den Bauunternehmern die Möglichkeit geben, übers Wochenende die Umsetzung neuer Massnahmen vorzubereiten.» Der SBV-Direktor betont: «Das war eine Teamleistung, die nur möglich war, weil ich hochmotivierte und selbständige Mitarbeitende führen darf. Der Team-Spirit war sehr gut spürbar. Da hat keiner über Überstunden geklagt und wenn notwendig, wurde auch übers Wochenende gearbeitet. Was zählte, war der Nutzen für die Mitglieder, und zwar rund um die Uhr.» Der SBV-Direktor spricht damit etwa die Corona-Merkblätter des Rechtsdienstes an, die von anderen Verbänden übernommen wurden. Auch die Koordination der Lehrabschlussprüfungen mit den Kantonen und Maurerlehrhallen war sehr anspruchsvoll.   Geschwindigkeit zählt  Das Feedback auf die Arbeiten des SBV war sehr positiv. Viele Mitglieder bedankten sich für die Unterstützung. «Wir haben nicht hierarchisch funktioniert, sondern themen- und kompetenzorientiert. Bei den einzelnen Aufgaben haben diejenigen Personen mitgewirkt, die aufgrund ihrer Kompetenzen dafür am besten in Frage kamen», erläutert Koch. Er sieht sich nicht als «Befehleverteiler», sondern vielmehr als Ideenlieferant und bei Bedarf als Moderator. «Schon nach kurzer Zeit waren die Prozesse etabliert. Jeder wusste, welchen Beitrag er zu leisten hatte», sagt er. Ein grosser Vorteil sei es, dass der SBV Fachspezialisten in den Bereichen Recht, Gesundheitsschutz, Kommunikation oder Bildung im eigenen Hause habe. «Nur so war das hohe Tempo möglich. Ist man sich unsicher oder müssen externe Experten beigezogen werden, geht alles deutlich länger», gibt Koch zu bedenken. Jeden Morgen um acht Uhr gab es eine Telefonkonferenz der Corona Task Force. So konnten «in no time» Situationsanalysen vorgenommen und die Aufgaben untereinander verteilt werden.  Auf Bundesrat eingewirkt  Der SBV hat aber nicht nur Merkblätter verfasst, er war auch politisch tätig. So hat er zu Beginn der Corona-Krise auf den Bundesrat und die involvierten Bundesämter eingewirktdamit die Baustellen nicht flächendeckend geschlossen wurden«Wir konnten unsere Anliegen auch über den Arbeitgeberverband oder den Gewerbeverband einbringenAb und zu mussten wir uns jedoch auch selber in Bern melden und uns Gehör verschaffen.» Es ist von Vorteil, so Koch, wenn man die zuständigen Leute in der Bundesverwaltung bereits aus Kommissionen oder Arbeitsgruppen kenne. Entscheidend war auch das gemeinsame Ziel. «Das Seco, die Suva und der SBV waren sich einig, dass der der volkswirtschaftliche Schaden bei einem Shutdown der Schweizer Bauwirtschaft sehr gross geworden wäre. Diese Einschätzung teilte nicht nur das überwiegende Gros unserer Mitglieder, sondern auch die Planer, die Lieferanten und das Ausbaugewerbe.» Koch gibt zu bedenken, dass viele Bauunternehmer ihren Mitarbeitern auch vor Lohneinbussen bewahren wollten. «Natürlich verdienen die Angestellten des Bauhauptgewerbes im Vergleich zu anderen Branchen gut, aber viele sind Familienväter. Wenn ihnen mit dem Erwerbsersatz nur noch 80 Prozent des Lohnes ausbezahlt werden und ihnen zudem die üblichen Zulagen entfallen, dann bekommen sie das deutlich zu spüren.» Nicht kommentieren will Koch die Aktionen der Unia, welche in einem ersten Schritt die Schliessung aller Baustellen forderte und zu einem späteren Zeitpunkt unbedingt ein Mandat für Baustellenkontrollen suchte. Er weist einzig darauf hin, dass das Image der Unia bei den Arbeitgeberverbänden massiv Schaden genommen hat.  Sichere Baustellen  Die Verunsicherung sei gross gewesen, weil die Kantone Tessin und Genf oder auch die SBB Baustellenschliessungen anordneten. «Die Überzeugungsarbeit, dass Baustellen unter Einhaltung sinnvoller Schutzmassnahmen sicher weiterbetrieben werden können, war kein Spaziergang», räumt Koch ein, um hinzuzufügen: «Es hat sich gelohnt. Mir sind kaum Bauarbeiter bekannt, welche sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Die Suva bestätigte regelmässig, dass sich die Unternehmer sehr schnell an die neuen Vorgaben angepasst haben. Ich ziehe den Hut vor unseren Mitgliedern, sie haben in kürzester Zeit einen enormen Effort geleistet  Neue Wege  Der SBV beschritt in der Mitgliederinformation immer wieder auch neue Wege. So erstellte er ein Video mit dem richtigen Verhalten während Corona auf der Baustelle. Das Video konnten Mitgliedfirmen ihren Angestellten aufs Handy zustellen. propos neue Technologien: Koch betont, dass es sich gelohnt habe, dass der SBV in den letzten drei Jahren konsequent in mobile Arbeitsplätze für alle Mitarbeitenden investiert habe. «Alle haben bei uns die Möglichkeit, auch von zu Hause aus tätig zu sein. Skype und Teams sind implementiert. So war es einfach, Sitzungen online abzuhalten.» Corona sei diesbezüglich ein guter Test für das flexible Zusammenarbeiten gewesen. Austausch mit Sektionen  Die Geschäftsstelle des SBV stand und steht – nicht nur – seit Corona in einem engen Austausch mit den Sektionen. Koch lobt die Zusammenarbeit, wenn er auch gesteht, dass die Kommunikationswege ab und zu noch etwas pragmatischer sein könnten. «Den meisten Geschäftsführern kann ich bei Bedarf auch am Wochenende oder abends anrufen», hält er aber fest, «nur so werden schnelle Lösungen möglich.»  Keine Konjunkturprogramme  Keine Freude hatte Koch an den Forderungen von Gewerkschaften, Parteien und Politikern nach Konjunkturförderprogrammen. «Diese wirken immer zu spät und oft in eine falsche Richtung», spricht er Klartext. In einem Austausch mit Mitarbeitenden des SBV kam die Idee auf, einen 5-Punkte-Plan zu formulieren. «Gerade weil einzelne Behörden bei der Erteilung von Baubewilligungen ärgerlicherweise zögerlich agieren. Der Bau soll schliesslich nicht ausgebremst werden, das schadet der gesamten Wirtschaft», erläutert Koch. «Bauprojekte, die über Fonds mit genügend Liquidität finanziert werden, sollen nicht auf die lange Bank geschoben werden», fordert der SBV-Direktor. Es wäre nützlich gewesen, wenn auch bauenschweiz und weitere Verbände aus der Bauwirtschaft den 5-Punkte-Plan aktiv mitgetragen hätten. Das Ziel des Planes ist es, dass die Bautätigkeit in den nächsten 24 Monaten aufgrund genügend baureifer Projekte nicht einbricht – siehe auch Beitrag Seite XX. Bundesrat Guy Parmelin nahm in der NZZ am Sonntag vom 17. Mai 2020 den Faden auf und meinte, Infrastrukturprogramme seien besser als Konjunkturprogramme und die öffentliche Hand solle Bauprojekte vorantreiben und bei Ausschreibungen Schweizer Firmen bevorzugen. Eine schöne Anerkennung des SBV-Engagements!   Familie zog mit  Koch spricht viel über die herausragenden Leistungen des Geschäftsstellen-Teams, sich selbst erwähnt er nicht. Während des Gesprächs mit der Schweizer Bauwirtschaft lacht er viel. Die Anstrengungen der letzten Monate sind ihm nicht anzumerken, obwohl er selbst stark gefordert war. Kraft tankte er in dieser Zeit bei frühmorgendlichen Spaziergängen am Zürichsee, beim Posaune spielen oder im Zusammensein mit Ehefrau und Sohn, die ihm den Rücken freihielten. Klar ist, dass Koch einer ist, dem seine Arbeit Freude bereitet. Er ist ein Macher, in einem guten Sinne.   Wie werden die nächsten Monate? Koch mag keine dunklen Szenarien skizzieren. Er zeigt sich optimistisch, dass das Coronavirus in Schach gehalten werden kann. «Und falls nicht, sind wir beim SBV vorbereitet», verrät er.  

Über den/die Autor/in

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Susanna Vanek

Redaktion «Schweizer Bauwirtschaft»

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