Der Maurer und das Meer

Im nächsten Jahr wird Peider Stocker seine Maurerlehre abschliessen. Bald darauf wird er zusammen mit zwei Brüdern und einem Cousin in ein grosses Abenteuer starten und rudernd den Atlantik bezwingen. 

Es tönt wie eine Schnapsidee, und das nicht nur, weil der Hauptsponsor ein Whisky-Produzent ist: Bei der Talisker Whisky Atlantlic Challenge versuchen verschiedene Teams von La Gomera quer über den Atlantik nach Antigua zu rudern. Der harte Wettbewerb wird indes seit 1997 durchgeführt und verlangt nach einer professionellen Vorbereitung, denn es gilt, circa 1,5 Millionen Ruderschläge auszuführen, bei Wind und Wetter. Somit ist das Rennen keine lustige Idee, sondern ein grosses Abenteuer, bei dem die Teilnehmenden immer wieder an ihre Grenzen stossen.

Mit dabei sein wird bei der nächsten Austragung auch ein Schweizer Team. Einer der wagemutigen Vier ist Peider Stocker, Maurerlernende BMS im dritten Lehrjahr. Im Sommer wird er seinen Lehrabschluss absolvieren, im November darauf wird er in La Gomera starten. Was ist das für ein Typ, der solche Strapazen auf sich nimmt?

Besonnen

Stocker erwartet die Journalistin im Ruderclub Baden. Er wirkt auf den ersten Blick nicht wie ein Draufgänger, sondern eher besonnen. Seine Worte sind wohlüberlegt formuliert. Trotzdem spürt man, dass er den Wettkampf unbedingt machen möchte, dass er sich den hohen Wellen und den stürmischen Winden stellen will. In einem kleinen Boot, das wie ein Spielzeug sein wird im weiten Ozean. Und: Man traut es ihm sofort zu, dass es gut kommt. Helvetic Waves heisst sein Team, eine Familiensache, nach dem Motto: «Vier Männer, eine Familie, ein Traum.»

Jüngster von sieben Kindern 

Stocker wuchs als Jüngster von sieben Kindern in Wettingen auf. Sein älterer Bruder stand in Kontakt mit dem ersten Schweizer Team, das an der Talisker Whisky Atlantic Challenge teilnahm. Seine Begeisterung war riesig, also beschloss er, ein eigenes Team zu bilden. Drei seiner Brüder, darunter Peider, waren sofort mit von der Partie. Der Vierte im Bunde ist ein Cousin. Die vier werden mit einer Entsalzungsanlage und gefriergetrockneter Nahrung über den Atlantik rudern. Dabei werden immer zwei abwechselnd zwei Stunden rudern, während die beiden anderen sich ausruhen. Sie werden nicht von Schiffen begleitet und müssen selbst navigieren. In den Monaten auf See werden sie bis zu zehn Kilos abnehmen, die Anstrengung wird enorm sein. Stocker findet: «Ich finde es spannend, an meine Grenzen gehen zu müssen und darüber. Ich will etwas leisten.» Im Moment bereitet er sich mit Kursen und einem Training auf sein einmaliges Abenteuer vor.

Maurerlehre war das Richtige 

Beruflich steckt Stocker im Abschlussjahr seiner Maurerlehre mit BMS. Für ihn stand am Ende seiner obligatorischen Schulzeit schnell fest, dass er nicht weiter die Schulbank drücken wollte, auch wenn die Noten dies erlaubt hätten. Stattdessen wollte er einen handwerklichen Beruf ausüben. Seine Wahl fiel auf Landschaftsgärtner, aber gleich zu Beginn der Lehre stellte er fest, dass ihm die Tätigkeit doch nicht zusagt. Noch während der Probezeit wechselte er zur Bürgler AG Bauunternehmen, Wettingen, als Maurerstift. «Dort passte einfach alles perfekt», schwärmt er. Dass er körperlich arbeitet, sei bei seinem Training kein Nachteil. «Ich bringe eine gewisse Grundkondition schon mit», sagt er. Die Weiterbildungsmöglichkeiten haben es ihm ebenfalls angetan.

Nach der Lehre und seinem Ozean-Abenteuer hat er indes ein anderes Ziel im Kopf: Das Militär. Im Moment absolviert er die fliegerischen Vorkurse.

Schwierige Sponsorensuche 

Der Ruder-Wettkampf wird die vier jungen Männer etwa 150 000 Franken kosten. Um diese Kosten zu decken, suchen sie Sponsoren. «Wegen Corona ist das derzeit alles andere als einfach», räumt Stocker ein. Sollte Geld übrigbleiben, so wollen sie es der IG Familie 3+ spenden, einer Organisation, die kinderreiche Familien unterstützt. «Wir kommen selbst aus einer Grossfamilie, unsere Eltern auch schon. Deshalb haben wir uns für diese Organisation entschieden», begründet Stocker.

Weitere Informationen

www.helveticwaves.com

Über den/die Autor/in

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Susanna Vanek

Redaktion «Schweizer Bauwirtschaft»

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