«Ein klarer Auftrag: konsequente Arbeitsmarktorientierung»

Das Anfang 2019 lancierte Projekt Masterplan «SBV-Berufsbildung 2030» hat einen wichtigen Meilenstein erreicht. Das Interview mit Marc Aurel Hunziker, Bereichsleiter Berufsbildung und Vizedirektor des SBV.

 

Der Masterplan «SBV-Berufsbildung 2030» wurde vor ziemlich genau zwei Jahren durch den Zentralvorstand lanciert. Wo stehen wir heute?

Marc Aurel Hunziker: Wir haben in den letzten zwei Jahren intensiv am Masterplan «SBV-Berufsbildung 2030» gearbeitet.  In enger Zusammenarbeit mit der Branche und Fachexperten der Aus- und Weiterbildung haben wir zwei wichtige Meilensteine erreicht. Einerseits hat die Delegiertenversammlung des SBV am 25.11.2020 die fünf Eckwerte des Ausbildungs- und Karrieresystems gutgeheissen. Andererseits wurden am 10.12.2020 die Kompetenzprofile der sechs Berufsfunktionen Baupraktiker, Maurer, Vorarbeiter, Bau-Polier, Bauführer und Baumeister verabschiedet. Auf Basis dieser Grundlagen startet ab 2021 die Umsetzungsphase des Masterplans.

Welche Bedeutung haben die Eckwerte für das Bauhauptgewerbe?

Die fünf Eckwerte wurden von den Delegierten aller Landesteile und Sprachregionen mit 95 Prozent Zustimmung verabschiedet. Das ist ein starker Auftrag, auf den alle Projektbeteiligten bei der Gestaltung einer konsequent arbeitsmarktorientierten Aus- und Weiterbildung setzen können.

Wie drückt sich die Arbeitsmarktorientierung konkret aus?

Die Kompetenzprofile stammen aus der Feder der Branche. Das Mitwirkungsverfahren wurde laufend optimiert und spiegelt nun den Bedarf an Kompetenzen, die die Unternehmer aus allen Landesteilen und Sprachregionen für ihre Fachkräfte definiert haben. Mit den Eckwerten wurden jetzt auch die Rahmenbedingungen beschlossen, um das Ausbildungs- und Karrieresystem unternehmerorientiert zu modernisieren.

Was heisst das für die Gestaltung des Ausbildungs- und Karrieresystems?

Neu sollen alle Kaderberufe mit einer eidgenössischen Prüfung zertifiziert werden. Das heisst, die Qualitätskontrolle nach der Ausbildung liegt für sämtliche Kaderberufe in den Händen von Prüfungskommissionen, die aus Unternehmern bestehen. Die Weiterbildung erhält zudem einen höheren Stellenwert. Künftig sollen Branchenzertifikate die Kaderausbildungen bereichern und ergänzen. Der Leistungsauftrag der Unternehmer ist also klar: sowohl die Kompetenzen der Kaderabschlüsse als auch der Branchenzertifikate in der Weiterbildung sollen nach einheitlichen Standards geprüft und verbindlich bestätigt werden.

Wo liegen die Herausforderungen bei der Umsetzung?

Die Grundlagen für die Modernisierung der Aus- und Weiterbildung sind in einem breiten Mitwirkungsverfahren gelegt worden. Im Interesse der Unternehmen gilt es die Umsetzung nun zeitnah und effizient an die Hand zu nehmen. Der Branche stehen auf Grund der Altersstruktur des Baustellenkaders viele Pensionierungen bevor. Attraktive und zeitgemässe Berufsabschlüsse sind ein wesentliches Element, um den Fachkräftenachwuchs zu sichern. Zentral dabei ist, dass die Abschlüsse die unmittelbare Einsatzfähigkeit der Fachkräfte in den Unternehmen garantieren. Dies entspricht auch dem eigentlichen Ziel des Masterplans: die Unternehmer sollen auch künftig genügend und gut ausgebildete Fachkräfte rekrutieren können.

Wie sind die Rollen bei der Umsetzung verteilt?

Die Arbeitsmarktorientierung kann nur gelebt werden, wenn die Unternehmer als Besteller der Kompetenzen und Qualifikationen auftreten und damit verantwortlich sind für die bedarfsgerechte Definition der Bildungsinhalte sowie der Prüfungen. Die Bildungsanbieter, also überbetriebliche Kurse, Berufsfachschulen und Ausbildungsstätten der höheren Berufsbildung sind gefordert, ihre Kompetenzen und reiche Erfahrung für die Umsetzung der Bildungsinhalte an ihrem Lern- und Ausbildungsort einzubringen.

Wo könnten Herausforderungen für die Bildungsanbieter auftreten?

Die Erfahrung aus der schweizerischen Berufsbildungslandschaft zeigt, dass der Umstellung auf die Handlungskompetenzorientierung besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden muss. Diese Arbeit ist nicht zu unterschätzen und sie fordert ein Umdenken und eine Praxisänderung. Ich habe die Bildungsanbieter im Prozess des Masterplans bis jetzt als sehr engagiert erlebt und bin zuversichtlich, dass sie sich dieser Herausforderung bewusst sind und sie letztlich auch meistern werden.

Wie sehen die nächsten Schritte im Masterplan «SBV-Berufsbildung 2030» aus?

Wir starten ab 2021 mit den Revisionen der Berufsfunktionen. Die Revisionen folgen dem vom Bund vorgegebenen Prozessen, die den Ablauf, sowie die Zuständigkeiten der verschiedenen Beteiligten regeln. Konkret werden wir 2021 beispielsweise an den so genannten «Qualifikationsprofilen» arbeiten. Diese stellen die formale Grundlage dar, um die Berufe neu aufzustellen.  Zuerst gilt es aber zahlreiche Projektgremien zu besetzen, wozu wir die Anspruchsgruppen eingeladen haben. Wir setzen auf ein klares Miteinander und eine breite Beteiligung gemäss den etablierten Rollen im schweizerischen Berufsbildungssystem. Ich bin zuversichtlich, dass wir den Auftrag erfolgreich erfüllen werden. Alle Beteiligten verfolgen letztlich ein gemeinsames Ziel: die Sicherstellung der Arbeitsmarkfähigkeit der künftigen Fach- und Führungskräfte des Bauhauptgewerbes.

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Reaktionen von Mitgliedern des SBV-Zentralvorstands und der Steuergruppe des Masterplan «SBV-Berufsbildung 2030» 

«Die hohe Zustimmung zu den Eckwerten zeigt den Willen, die Berufsbildung des Bauhauptgewerbes auf allen Stufen qualitativ weiter zu entwickeln. Mit der Umsetzung der Eckwerte, erhält das Baugewerbe auf allen Bildungsstufen qualitativ hochwertige Abschlüsse. Die Zustimmung zu den Eckwerten, verpflichtet den SBV den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzuverfolgen und gemeinsam mit den verschiedenen Anspruchsgruppen ein modernes, durchgängiges Bildungsangebot zu entwickeln.»

Gerhard Moser 

 

 

 

«Die Verabschiedung der fünf Eckwerte des Ausbildungs- und Karrieresystems durch eine grosse Mehrheit der Delegierten macht den Weg frei für die Umsetzung unserer Zukunftsvision der Berufsbildung. Es ist ein wichtiger und richtungsweisender Meilenstein, den wir hier erreicht haben. Auch die Validierung der Profile ist von grosser

Bedeutung, denn so kann unsere Branche heute die Kompetenzen von 2030 definieren. Die Berufsbildung ist einer der Pfeiler des Schweizerischen Baumeisterverbands und der Berufsverbände im Allgemeinen. Ich freue mich, dass wir eine Zukunftsvision umsetzen können, die Vorteile für die gesamte Branche bringt und es uns ermöglicht, für kompetenten Nachwuchs zu sorgen.

René Leutwyler 

 

 

«Als Mitglied der Steuergruppe des Masterplan «SBV-Masterplan 2030» bin ich sehr erfreut über die klaren Entscheide der Delegierten zu den fünf Eckwerten des neuen Ausbildungssystems. Dieser Meilenstein sowie die Verabschiedung der jeweiligen Kompetenzprofile geben dem Projekt und dem vom Zentralvorstand vorgesehenen Zeitplan neuen Auftrieb.  Die Berufsbildung ist seit jeher ein wichtiger Pfeiler des SBV und wird es auch in Zukunft sein. Wir setzen alles daran, das bestehende Ausbildungsniveau zu erhalten, wenn wir nun die Prozesse an die Bedürfnisse des Marktes und der Baustellen anpassen.»

Massimo Cereghetti 

 

 

 

 

 

Über den/die Autor/in

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Schweizerischer Baumeisterverband

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