Erste Erfahrungen mit der Arbeit auf dem Bau

Sieben junge Oberstufenschüler informierten sich über den Beruf des Strasssenbauers, 17 beteiligten sich am Maurer-Schnuppertag. Beide Informationsveranstaltungen organisierte der Thurgauische Baumeister-Verbandes in der Lehrhalle Sulgen.

Auch auf den Thurgauer Strassen sind sie täglich anzutreffen, die Strassenbauer in ihren orangen Anzügen und den Schutzhelmen. «Gesamtschweizerisch sorgen die Strassenbauer dafür, dass die über 70 000 Kilometer Strassen in der Schweiz sicher sind», begrüsst Romeo Maasl, Geschäftsführer beim Thurgauischen Baumeister-Verband, die sieben Sekundarschüler. Sie erfahren von Ivan Rothenbühler, Instruktor am Campus Sursee, führend in der Ausbildung von Baufachleuten, dass der Strassenbauer auch Plätze und Trottoirs, Rad- und Fusswege, aber auch kleine Mauern und Treppen, Strassenkreise und Verkehrsinseln baut. Auch das Verlegen von Strom- und Wasserleitungen und das Setzen von Schächten gehören zum Aufgabenbereich. «Wenn ihr tüchtig anpacken könnt, über eine robuste Gesundheit verfügt und Wind und Wetter euch nichts anhaben können, dann ist das auch ein Beruf für euch», ermuntert der Instruktor die Jugendlichen. Sie erfahren, dass der Strassenbauer täglich draussen körperlich aktiv ist und es sich nicht um einen Bürojob handelt.

Vorplatz mit Beton-Verbundsteinen

George Mayer bringt schon erste Erfahrungen mit. Als Zweitklässler der Sekundarschule Müllheim hat er schon eine Woche bei der Kibag geschnuppert. «Schon als kleiner Knabe war ich auf den Baustellen anzutreffen und mein Opa arbeitete bei einem grossen St. Galler Bauunternehmen», berichtet der Jugendliche, dessen Onkel ebenfalls in der Baubranche tätig ist. «Entweder werde ich Maurer oder Strassenbauer», davon ist der junge Müllheimer überzeugt. Dann geht’s in den praktischen Bereich und draussen unter dem grossen Zeltdach der Überbetrieblichen Kurse bläst den Jugendlichen ein kühler Wind entgegen, so, wie es eben im Berufsleben eines Strassenbauers in der Realität sein kann. Mit Hilfe des vorgelegten Plans und dem Zweitjahrlehrling Yann Hinder und dem Drittjahrlehrling Alessandro Santonastaso erfahren die Schüler, dass sie im Verlaufe des Tages ein kleines Plätzchen von rund zwei Quadratmetern ausstecken und anschliessend die Beton-Verbundsteine auf feinen Kies legen und einen Randabschluss erstellten werden. Zudem bietet sich ihnen auch die Gelegenheit, einfache Geräte und Maschinen kennenzulernen. Auch die heutige Messung mit einem modernen Theodolit lernten die interessierten Schüler kennen. Man informierte sie über die Einhaltung der Umweltvorschriften und über das korrekte Trennen von Abfall auf der Baustelle. «Dieser Beruf ist schön, kann aber auch gefährlich sein und deshalb ist das Einhalten der Vorschriften und das Tragen einer Schutzkleidung wichtig», sagt der Instruktor. Am Schluss des Tages ist für die Jugendlichen klar: Der Strassenbauer, der zusammen mit dem Gleisbauer, dem Grund-, Industrie- und Unterlagsbodenbauer und dem Pflästerer zur Berufsgruppe der Verkehrswegebauer gehört, sieht, was er gemacht hat. In den frühen Abendstunden treffen die Eltern ein. Ihnen bietet sich nicht nur die Möglichkeit Fragen zu stellen, sondern sie können auch anhand von während des Tages zusammengestellten Fotos die fertigen Produkte ihrer Söhne bewundern.

17 Interessierte am Maurerberuf

«Wir freuen uns, dass ihr euch für den Maurerberuf interessiert und mit einem Kurzfilm möchte ich euch ein erstes Bild dieses Berufes vermitteln», begrüsst Romeo Maasl, Geschäftsführer beim Thurgauischen Baumeister-Verband, die Schüler. Einer von ihnen, Leandro Heijboer aus Erlen, berichtet von seinen ersten Erfahrungen anlässlich einer einwöchigen Schnupperlehre bei einem grossen thurgauischen Bauunternehmen: «Durch meinen Onkel bin ich auf diesen interessanten und abwechslungsreichen Beruf aufmerksam geworden. Man hat mir die Lehrstelle praktisch zugesichert.»

Wir bauen ein Haus

«Der Maurer arbeitet draussen bei jedem Wetter, Hitze, Kälte, Regen und Schnee und er sieht jeden Tag, was er geleistet hat», erfahren die Jugendlichen von Chef-Instruktor Thomas Arpasi. Er erklärt ihnen, dass ein gelernter Mauer sein eigenes Haus bauen kann, selbstständig Pläne zeichnen und lesen kann. Als wichtig bezeichnet er die Teamfähigkeit, das Erlernen der Arbeitssicherheit und das Vermeiden von Unfällen. An einem Beispiel erläutert Arpasi den Bau eines Einfamilienhauses vom Einholen des Kredits über die Baubewilligung bis zur Fertigstellung. Von ihm erfahren die Jugendlichen auch den Unterschied zwischen einem Maurer EFZ und einem Maurer EBA, aber auch welche beruflichen Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Lehre offenstehen. Dabei profitiert ein junger Berufsmann vom Karrieremodell in der Baubranche. Nach der Lehre besteht die Möglichkeit, sich als Vorarbeiter, Polier, Bauführer oder Baumeister weiterzubilden. Mit der Berufsmaturität steht der Weg zu einem Studium an der Fachhochschule in Richtung Architekt oder Bauingenieur offen. Dies und vieles mehr erfahren die Anwesenden vom Chefinstruktor. «Von einem angehenden Maurer erwarten wir, dass er schwindelfrei ist, eine robuste Natur mitbringt, gerne anpackt, denn nicht immer sind die Bedingungen während der dreijährigen Berufslehre so, wie man sie sich wünscht», sagt er.

Drei verschiedene Objekte

Dann geht’s ans Eingemachte: Für die bevorstehende praktische Arbeit während den sechs Arbeitsstunden stehen eine Hundehütte, ein Brunnen oder ein Cheminée zur Auswahl. Die gebildeten Dreiergruppen zeichnen mit der Unterstützung Arpasis einen einfachen Plan ihres Objekts auf und überlegen sich, wieviel Back- oder Kalksandsteine benötigt werden. Mit der tatkräftigen Unterstützung durch Instruktor Ralf Baumann und zwei jungen Maurern wird auf dem Lehrhallenboden das Objekt 1:1 aufgezeichnet und bald ist der Mörtel angerührt und der sorgfältige Aufbau, Stein um Stein, kann beginnen. Die 17 Sekundarschüler sind konzentriert und mit Begeisterung dabei und zeigen sichtlich Freude an der Arbeit. Am Nachmittag präsentieren die Zweierteams mit Stolz die fertigen Objekte. Diese gilt es abzuräumen, bevor in den frühen Abendstunden die Eltern eintreffen. Ihnen bietet sich nicht nur die Möglichkeit Fragen zu stellen, anhand von während des Tages zusammengestellten Fotos können sie die fertigen Produkte ihrer Söhne bewundern.

Werner Lenzin

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