Ihre erste Lerneinheit: Arbeitssicherheit

Die drei neuen Lernenden der Corti Spleiss Gruppe wissen vom ersten Arbeitstag an, dass alle auf dem Bau Beschäftigten bei Bedenken, eine Arbeit auszuführen, «Stopp» sagen dürfen.  «Welche Arbeit sollen wir ausführen?», wollen die beiden Lernenden Andrea Agnelli und Simon Illitz von ihrem Polier José Pedrosa von der Spleiss AG wissen. Nach einem kurzen Hinweis beginnen sie, Bretter auf Schalungsrahmen zu hämmern. Beide hantieren geschickt mit dem Werkzeug. Illitz erklärt, dass er die Arbeit auf der Baustelle schon vor der Lehre gewohnt war. «Ich habe sechs Monate bei meinem Vater, der sich selbstständig gemacht hat, gearbeitet.» Daher habe er auch keine Probleme mehr mit der körperlichen Anstrengung. Das ist bei Agnelli anders.  

 

Zu Beginn der Lehre, gesteht er, sei er jeweils schon um 20.30 Uhr schlafen gegangen. «Vorher bin ich ja den ganzen Tag in der Schule gesessen», erläutert er. Die körperliche Betätigung draussen gefällt ihm. «Ich werde immer fitter», ist er stolz. Und er werde auch handwerklich immer geschickter und könne immer besser Arbeiten auf der Baustelle erledigen. «Am Anfang war vieles fremd», räumt er ein. Vor gewissen Tätigkeiten habe er sich sogar ein wenig gefürchtet.  

 

Joel Gräub, der beim Unternehmen Corti AG Bau seine Lehre als Maurer EFZ absolviert und der für die Reportage auf die Spleiss-Baustelle in Zürich-Seebach gekommen ist, nickt zustimmend. «Die Umstellung von der Schule auf die Baustelle ist gross», ist seine Erfahrung. 

 

Zwei spezielle Tage 

 

Dass für die neuen Lernenden sehr viel auf der Baustelle ungewohnt ist, das wissen auch die Verantwortlichen der Corti Spleiss Gruppe. Deswegen werden die Lernenden auch gründlich auf ihren ersten Arbeitstag draussen auf der Baustelle vorbereitet.  

 

Den Auftakt bildet ein zweitätiger Kurs zur Arbeitssicherheit. Die Lernenden lernen so die acht lebenswichtigen Regeln der SUVA für den Hochbau kennen, und sie wissen, wie sie sich verhalten müssen und was sie unterlassen sollen. Der Kurs bietet nicht nur Theorie, sondern im Rahmen eines Parcourslaufes auf der Baustelle auch Praxis. Was den Lernenden deutlich gemacht wird, ist: Alle Angestellten auf der Baustelle dürfen jederzeit «Stopp» sagen.  

 

Anna Liechti, Leiterin Arbeitssicherheit SGA und QM Corti Spleiss Gruppe, erläutert dazu: «Lernende werden während ihrer Ausbildung täglich mit neuen Tätigkeiten und Aufgaben konfrontiert. Da ist es oft schwierig, den Überblick zu behalten und die Gefahren zu erkennen. Darauf bereiten wir sie in der zweitägigen Ausführung vor. Es kann immer wieder Situationen geben, in denen sich Lernende unsicher fühlen, oder Aufgaben, die sie sich nicht zutrauen. Wir machen ihnen deutlich, dass sie dann ‹Stopp› sagen sollen. Sie werden instruiert, dass alle Angestellten auf der Baustelle sich so verhalten sollen.»  

 

Liechti erläutert, dass anschliessend an das «Stopp» die Situation mit dem Vorgesetzten besprochen werden soll. «Die Arbeitssicherheit spielt in unserem Unternehmen eine grosse Rolle», betont Liechti, «dazu gehört, dass Lernende besonders gut geschützt werden.» Sie fügt hinzu: «Die Lernenden sollen wissen, dass sie keine Superhelden zu sein brauchen. Sie dürfen auf ihr Bauchgefühl hören und sie können zu ihren Ängsten stehen.» Weiter erläutert sie, dass die Lernenden von erfahrenen Polieren betreut werden. Gräub meint dazu, dass er seit Lehrbeginn bereits an Selbstsicherheit gewonnen habe. «Ich traue mir heute mehr zu, wobei ich natürlich immer die Arbeitssicherheit einhalte und konzentriert bin.» 

 

Vorbereitet auf den Worst Case 

 

Trotzdem: Bei aller Vorsicht kann es trotzdem mal zu einem Unfall kommen. «Wenn so etwas passiert, sind im ersten Moment alle sehr erschrocken und wissen nicht, was tun», meint Liechti. Darum gehört die Nothilfe mit zum Programm der ersten beiden Einführungstage. «Die Lernenden erfahren so, wie sie reagieren sollen und kommen im Falle eines Falles besser mit der Situation zurecht», erläutert Liechti. 

 

Mit den beiden Einführungstagen ist das Thema «Arbeitssicherheit» bei der Corti Spleiss Gruppe mitnichten «abgehakt». Die Lernenden werden in diesem Bereich immer wieder geschult, nicht zuletzt, weil die Corti Spleiss Gruppe die Arbeitssicherheit sehr hoch gewichtet. Mit Liechti hat das Unternehmen eine versierte Fachfrau an Bord. Sie kennt die Arbeit auf Baustellen aus eigener praktischer Erfahrung. Bevor sie Ausbildungen zur Expertin für Arbeitssicherheit absolvierte, war sie als Bauführerin tätig.   BfA-Info «Erste Hilfen auf Baustellen» 

 

Jeder kann in eine Notsituation gelangen und auf entsprechende Hilfe angewiesen sein: die BfA-Info «Erste Hilfen auf Baustellen» ist auf solche Situationen ausgerichtet und sensibilisiert Personen und Unternehmen auf das Thema Erste Hilfe auf Baustellen.   Bei einem Herzstillstand ist zeitnahes Handeln unerlässlich: Jede handlungsfreie Minute verringert die Überlebenschance um 10 Prozent. Rettungsdienste können in der Regel innert sechs bis sieben Minuten eintreffen. Während dieser Zeit können Personen mit Erste-Hilfe-Grundkenntnissen verunfallte Personen mit den richtigen Handlungen am Leben erhalten und Langzeitschäden vermeiden.  Zusätzliche Exemplare können online (www.baumeister.ch/bfa) via den SBV-Shop angefordert werden. Artikelnummern: 1510341 (Deutsch), 1510342 (Französisch), 1510343 (Italienisch), 1510344 (Portugiesisch). Die BfA-Info ist wie immer kostenlos.   

Über den/die Autor/in

pic

Susanna Vanek

Redaktion «Schweizer Bauwirtschaft»

[email protected]

Artikel teilen