Lohnverhandlungen: jetzt Arbeitsplätze sichern!

Das Bauhauptgewerbe zahlt die besten Handwerkerlöhne Angesichts des markanten Umsatzrückgangs könnten sich Lohnkorrekturen als erforderlich erweisen, um Arbeitsplätze zu erhalten.

Seit vielen Jahren führt der SBV bei seinen Mitgliedern eine Lohnerhebung durch und verfügt so über ein sehr genaues Bild der Lohnentwicklung in unserer Branche. Im Laufe der letzten 15 Jahre sind die Reallöhne pro Jahr im Durchschnitt um 0.6 Prozent gestiegen. Währenddessen betrug die Produktivitätssteigerung lediglich 0.1 Prozent (im Gegensatz zu 0.7% im schweizweiten Vergleich).

Die Produktivitätssteigerung hat sich vor allem auf die Löhne ausgewirkt, während die Margen der Unternehmer auf erschreckend niedrigem Niveau von 2 bis 3 Prozent stagnieren. Im Vergleich dazu betragen die durchschnittlichen Gewinnmargen der Schweizer Wirtschaft mehr als 7 Prozent.

Mit anderen Worten: Im Bauhauptgewerbe sind sowohl die Margen als auch die Produktivität deutlich unter dem Schweizer Durchschnitt. Im Gegensatz dazu haben sich die Löhne in unserer Branche mit einem durchschnittlichen Wachstum von jährlich 0.6 Prozent zwischen 2004 und 2019 ähnlich entwickelt wie in anderen Sektoren.

Somit wirkt sich jede Erhöhung der Ausgaben direkt auf die Fähigkeit der Firmen des Bauhauptgewerbes aus, neue Mitarbeitende einzustellen. Das trifft insbesondere auf die Lohnnebenkosten zu, die in unserer Branche einen bedeutenden Anteil an den Gesamtkosten ausmachen.

In Anbetracht der Tatsache, dass einige Baufirmen aktuell ums Überleben kämpfen, hätte eine erneute Lohnerhöhung verheerende Konsequenzen auf die Beschäftigung. Doch genau dies fordern die Gewerkschaften Jahr für Jahr und blenden dabei den wirtschaftlichen Kontext komplett aus.

Die höchsten Handwerkerlöhne 

Neben rückläufigen Umsätzen im Bausektor (-9% weniger Aufträge von öffentlichen Bauherren im ersten Halbjahr 2020 und Umsatzeinbussen von mehr als 5% auf das ganze Jahr gesehen) kehren die Gewerkschaftsvertreter eine weitere Tatsache unter den Teppich. Das Bauhauptgewerbe bezahlt nämlich die höchsten Handwerkerlöhne. Mit seinen hervorragenden Berufsaussichten und zahlreichen Weiterbildungen ist das Bauhauptgewerbe durchaus in der Lage, mit Akademiker-Löhnen mitzuhalten.

Unser Landesmantelvertrag sieht die im Branchenvergleich höchsten Mindestlöhne für Handwerker vor. In Tat und Wahrheit sind die ausbezahlten Löhne gar noch höher als im Landesmantelvertrag festgehalten. Je nach Lohnklasse liegen die Löhne zwischen 7 und 22% bzw. monatlich zwischen 300 und 1400 Franken über den im Landesmantelvertrag vereinbarten Löhnen.

8400 Franken pro Jahr mehr auf dem Konto 

Über alle Lohnklassen hinweg ist der Durchschnittslohn seit 2004 um mehrere Hundert Franken angestiegen. Den grössten Anstieg verzeichnen die Poliere mit einem Plus von 1031 Franken in 15 Jahren. Im selben Zeitraum sind die Konsumentenpreise in der Schweiz lediglich um 5% gestiegen Nach Abzug der Teuerung von 5% bleibt eine reale Lohnerhöhung von 646 Franken pro Monat. Da der Landesmantelvertrag einen 13. Monatslohn vorsieht, können sich die Poliere daher jedes Jahr um 8400 Franken mehr auf ihrem Konto erfreuen als noch vor 15 Jahren.

Die jedes Jahr aufs Neue geäusserte Forderung der Gewerkschaften nach einer Lohnerhöhung schlägt die wirtschaftliche Realität in den Wind und ist schlichtweg untragbar. Als Sozialpartner sollten sie vielmehr auch dazu in der Lage sein, Lohnkorrekturen in Erwägung zu ziehen, wenn sich die Umsätze der Unternehmen im freien Fall befinden und die Konsumentenpreise sinken.

Es geht um nichts Minderes als das Überleben von Baufirmen, und damit auch um den Erhalt tausender Arbeitsplätze. Denn die Baubranche gehört zu den wichtigsten Arbeitgeberinnen der Schweizer Wirtschaft. 8% der Erwerbstätigen in unserem Land sind in der Baubranche tätig.

Am kommenden 28. Oktober findet eine dritte Lohnverhandlungsrunde mit den Gewerkschaften statt. Das Ziel des SBV ist es, alles zu unternehmen, damit die verhandelten Löhne zum Erhalt von Arbeitsplätzen auf sämtlichen Stufen unserer Branche beitragen, auf die Gefahr hin, dass die Löhne wenn nötig nach unten korrigiert werden müssen. Denn als verantwortungsvoller, engagierter Sozialpartner ist und bleibt es unser Ziel, die Arbeitsplätze auch in Krisenzeiten zu erhalten.

Über den Autor

pic

Corine Fiechter

Kommunikationsverantwortliche SBV Romandie

[email protected]

Artikel teilen