Recyclingbeton: Es braucht neue Normen

Bei den in der Baubranche verwendeten Materialien hat in den letzten 20 Jahren ein markanter Wandel stattgefunden. Nachhaltigkeit und Recycling wurden zu wichtigen Themen. Die Digitalisierung erleichtert die Wiederverwendung. Die Hochschule Luzern testete, wie viel Belastung Recyclingbeton aus Mischgranulat aushält.

Gebäude sind im Grunde – Materiallager! Diese Erkenntnis setzt sich immer mehr um. Heute ist beim Rückbau die strikte Triage sämtlicher Baustoffe zum Regelfall geworden. Das Bauunternehmen Eberhard AG setzt beim Recycling gar auf einen Roboter, der dank künstlicher Intelligenz immer besser Fremdstoffe aus Abbruchmaterial herauszusortieren vermag. Das Heraussortieren ist bei der Aufbereitung von Recyclingbeton in der Tat der aufwändigste Part. Zwar ist es möglich, Recyclingbeton aus Mischfranulat herzustellen, also aus Materialien, die nur eingeschränkt aussortiert wurden. Bisher ging man indes davon aus, dass solcher Beton weniger Verwendungsmöglichkeiten hat, weil seine Festigkeit verringert ist. Durch die geringen Einsatzmöglichkeiten macht die Verwendung von Beton aus Mischgranulat wirtschaftlich kaum Sinn. Das ist paradox, denn eigentlich wäre gerade die erhöhte Wirtschaftlichkeit sein Vorteil: Der Verzicht auf das aufwändige Aussortieren beim Abbruch von Gebäuden bedeutet weniger Aufwand und es steht dadurch mehr Material für die Wiederverwendung zur Verfügung. Um die Einsatzmöglichkeiten von Beton aus Mischgranulat zu erweitern, klärten kürzlich Ingenieure des Instituts für Bauingenieurwesen der Hochschule Luzern unter anderem auf Initiative der Stadt Zürich, wie viel Belastung das Material tatsächlich aushält.

Anpassung SIA-Normen

Zu diesem Zweck liessen die Experten Platten herstellen, die den im Hochbau tatsächlich verwendeten entsprechen. Diese bauten sie an der Prüfstelle auf dem Campus in Horw auf Stützen auf und belasteten sie unter genauester Beobachtung schrittweise immer stärker, bis sich erste feine Risse zeigten und die Platte schliesslich versagte – beziehungsweise «durchstanzte», wie der korrekte Fachbegriff lautet. Das Ergebnis war bemerkenswert: «Die Durchstanz-Tragfähigkeit von Platten, denen Mischgranulat beigemischt ist, ist zwar um etwa fünf Prozent geringer als von Platten aus nicht-rezykliertem Material – der Unterschied fällt aber deutlich kleiner aus, als in den Normen festgelegt», erklärt Albin Kenel, Projektleiter und Lieter des Instituts für Bauingenieurwesen der Hochschule Luzern. Für ihn kommt das Resultat nicht überraschend, denn bereits frühere Tests der Hochschule Luzern hatten darauf hingedeutet. Das Ergebnis wird eine Anpassung der SIA-Normen bis ins Jahr 2020 nach sich ziehen. Die Stadt Zürich hat bereits Interesse daran bekundet, Gebäude aus Mischabbruch erstellen zu wollen, um die Abfallberge zu verringern.

An dem Projekt waren als Partner und Finanzierer neben der Stadt Zürich auch die Firma F.J. Aschwanden AG sowie die Baufirmen Toggenburger AG und Kibag AG beteiligt.

Swissbau Focus in Basel

Am Freitag, 17. Januar 2020 findet von 14.30 bis 16 Uhr an der Swissbau in Basel ein Impulsvortrag und eine Podiumsrunde zum Thema des Einsatzes von Ressourcen statt. «Von Nöten zu Tugenden» lautet der Titel der Veranstaltung. Den Impulsvortrag hält Donato Scognamiglio, Professor für Immobilienwirtschaft an der Uni Bern und CEO IAZI AG. Unter der Leitung von «Einstein»-Moderator Tobias Müller findet eine hochkarätige Podiumsrunde statt, an der unter anderem Gian-Luca Lardi, Zentralpräsident SBV, teilnimmt.

Über den Autor

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Susanna Vanek

Redaktion «Schweizer Bauwirtschaft»

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