Stehen im Westen von Lausanne bald neue Wohntürme?

Die Pläne der SBB für das strategisch wichtige Projekt Malley-Gare, das den Grundstein eines neuen Stadtteils mitten in der Agglomeration von Lausanne-Morges legen soll, liegen öffentlich auf. Das Vorhaben umfasst fünf Gebäude, darunter zwei Hochhäuser. 
©CFF
Die ersten Resultate der SBV-Umfrage «Baue deine Schweiz der Zukunft» zeigen, dass sich die Bevölkerung klar für eine Verdichtung in den Städten und Agglomerationen ausspricht. Und doch geraten viele Projekte ins Stocken, wenn es um die Umsetzung in die Praxis geht. Die öffentliche Planauflage des Projektes Malley-Gare, die seit vergangenem August läuft, ist wegweisend, insbesondere weil der Nutzungsplan 2017 in Kraft trat, nachdem er im Zuge eines Gemeindereferendums angenommen wurde.   

 

Aussage zur Akzeptanz von Hochhäusern 

 

Der Ausgang der Planauflage Malley-Gare ist insofern aussagekräftig, weil das Projekt zwei Hochhäuser von 63 und 77 Metern Höhe beziehungsweise 19 und 24 Stockwerken vorsieht. Das sind vergleichsweise bescheidene Werte, wenn man sie mit Projekten der letzten Jahre in Zürich und insbesondere Basel vergleicht, wo die beiden Roche-Türme nach Abschluss der Bauarbeiten 178 und 205 Meter in die Höhe ragen. 

 

Obschon die zwei SBB-Hochhäuser in Malley-Gare viel weniger hoch sind als ihre Schwestertürme in der Deutschschweiz, wird sich nach dieser Planauflage eine Aussage machen lassen zur Akzeptanz dieser Gebäude in der Romandie, wo sie bislang einen schweren Stand haben, wie die gescheiterten Projekte eines 60 Meter hohen Hochhauses in Bussigny im Jahr 2012 und des bekannten Taoua-Turms in Lausanne 2014 gezeigt haben. 

 

Es gibt verschiedene Arten der Verdichtung, aber das Bauen in die Höhe hat ein enormes Potenzial. Gemäss Schätzungen könnte die Schweiz bis zu einer Million Bewohner zusätzlich aufnehmen, wenn die bestehenden Gebäude um ein Stockwerk erhöht werden, ohne auch nur einen Quadratmeter zusätzliche Baufläche zu verbauen. Denn Malley-Gare ist in erster Linie ein Verdichtungsprojekt und die erste Etappe des neuen Stadtteils Malley-Centre, der die Ebene von Malley komplett verändern wird und Platz für 5000 Bewohner und Arbeitsplätze bietet.   

 

Grundstein des Projekts Malley-Centre 

 

Mit dem Projekt Malley-Centre wird der strategisch gelegenen ehemaligen Industriebrache mitten in der Agglomeration Lausanne-Morges an der Grenze zwischen Prilly und Renens neues Leben eingehaucht. Die erste Phase dieser Neugestaltung ist das Projekt Malley-Gare, das fünf Gebäude umfasst (darunter zwei Hochhäuser), die bis 2024 Platz bieten sollen für 500 Bewohner und 1500 Arbeitsplätze. Das Maximum von 40% Wohnfläche auf die Gesamtfläche wird mit 206 Wohnungen ausgeschöpft, wovon 41 gemeinnützige Wohnungen sind. Das zukünftige Quartier Malley-Gare wird zusätzlich über zwei grosse begrünte Plätze verfügen, zu denen sich die Bevölkerung im Jahr 2019 äussern konnte. 

 

Das neue Quartier, das an die Waadtländische S-Bahn, die Metro-Linie m1, verschiedene Buslinien und das künftige Tram angeschlossen ist, fördert zugleich die sanfte Mobilität. So sind alleine in Malley-Gare über 860 Veloplätze vorgesehen.  

 

Das Gesamtprojekt Malley-Centre soll auch Vorzeigebeispiel in Sachen Nachhaltigkeit und beispielsweise ein zertifiziertes 2000-Watt-Areal sein. Das Label zeichnet urbane Gebiete aus, die sich für den Klimaschutz einsetzen und einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen pflegen. Zudem soll das Projekt Beispielcharakter haben in Bezug auf die Durchmischung von Aktivitäten, Wohnraum und Bewohnern. So sind verschiedene Wohnungsarten vorgesehen, von gemeinnützigen Wohnungen bis hin zu Stockwerkeigentum. Ein perfekter Ausgleich von Verdichtung, Mobilität, Umwelt und Gesellschaft, der die Akzeptanz fürs Bauen in die Höhe auch westlich des Röstigrabens verbessern soll. 

Über den/die Autor/in

pic

Corine Fiechter

Kommunikationsverantwortliche SBV Romandie

[email protected]

Artikel teilen