Weshalb die Stadt Zürich einen Pfahlbau erhält

Damit das Zürcher Amtshaus Walche saniert und aufgestockt werden kann, wird ein Provisorium erstellt – mitten in der Limmat. Im Einsatz ist auch ein Taucher, der gelernter Maurer ist. 

Die Stadt Zürich will ihr Amtshaus Walche im Rahmen einer Gesamtsanierung aufstocken. Allerdings hat im Gebäude das Gesundheits- und Umweltdepartement GUD seinen Sitz und diese Behörde ist bekanntlich gerade sehr gefordert. Damit die Angestellten ihre Arbeit fortsetzen können, wurde beschlossen, ein Provisorium zu erstellen. Da es mitten in Zürich keine verfügbaren freien Flächen gibt, mussten die Planer aufs Wasser ausweichen, genauer auf die Limmat. Dort wird ein Provisorium auf Pfählen erstellt. Beim Provisorium handelt es sich um einen dreistöckigen Holzmodulbau, der auf ein Fundament mit Pfählen gesetzt wird. Die Pfähle und Fundamente wurden durch die Firma Meier + Jäggi erstellt. «Dass unsere Arbeit von zwei Pontons aus erfolgte, machte sie speziell», erläutert Markus Marti, eidgenössisch diplomierter Baumeister und Geschäftsleitungsmitglied bei Meier + Jäggi. Herausfordernd war auch die Anlieferung des Materials: Die Baustelle befindet sich an der meistbefahrenen Strasse der Stadt Zürich. Es wurden genaue Anlieferungsfenster jeweils um 6 Uhr früh definiert. Das Material wurde entweder via einen Kran auf die Pontons auf dem Fluss gebracht oder via ein Boot vom Landesmuseum aus. Der Bootsführer ist in seiner Freizeit begeisterter Pontonier.

Die Stahlpfähle wurden mit einem Hydrohammer, der über das Rohr gestülpt wurde, in den Boden gerammt, wobei Kolkschutzmassnahmen wichtig waren. Das Wasser sollte nicht aufwirbeln. «Diese Vorgehensweise hatte den Vorteil, dass der Hammer so sehr viel Kraft zu entwickeln vermochte. Das beschleunigte die Arbeiten gegenüber anderen Vorgehensweisen um einen Monat und führte dementsprechend auch zu einer signifikanten CO2-Einsparungen», erklärt Marti. Die Pfähle wurden bis zu 6 Meter in den Fluss gerammt.

Auf einem der Pontons ist ein 5-Tonnen-Raupenkran im Einsatz. Um die sehr alten Bäume am Flussufer vor seinen Emissionen zu schützen, musste der Auspuff umgebaut werden. «Es ist eine sehr gute Lösung dabei herausgekommen – ich denke, wir lassen den Kran so», schmunzelt Marti.

Die Stahlpfähle sollen übrigens nach dem Abbruch des Provisoriums wiederverwendet werden, zum Beispiel als Spriessung vertikal. Der Flussgrund wird nach dem Abbau des Provisoriums wieder in den ursprünglichen Zustand versetzt.

Hobby zum Beruf gemacht 

Unter Wasser schaute Erich Bloch den Bohrer an die richtige Stelle am Flussboden. Bloch ist gelernter Maurer, der vor einigen Jahren das Tauchen als Hobby entdeckte. Eigentlich, erläutert er, sei er wasserscheu. Weil er aber beim Tauchen einen Neoprenanzug trage und nicht nass werde, mache ihm das Tauchen Spass. Der Neoprenanzug ermöglicht es ihm, Taucharbeiten auch bei Kälte auszuführen – er hat ein Modell, das beheizt werden kann. Dass das Tauchen einst sein Beruf werden würde, hätte Bloch nicht gedacht. «Die Gelegenheit ergab sich durch Zufall», sagt er. Um hinzuzufügen: «Ich bin froh, dass ich als Bautaucher arbeiten kann – wer hat schon die Chance, das eigene Hobby zum Beruf zu machen?» Die Schwierigkeit für Bloch bei den Pfählarbeiten in der Limmat waren die messerscharfen Muscheln auf dem Flussgrund, die ihm die  Handschuhe zerschnitten.

Die Sicherheit wurde bei den Arbeiten sehr hoch geschrieben. Ein Boot begleitete den Taucher bei seinen Arbeiten. Taucher und Bootsführer waren via Gegensprechanlage miteinander verbunden.

Auf die Pfähle wird eine Plattform angebracht, auf der der Modulbau errichtet wird. Die Verwaltung des GUD wird während der Sanierung des Amtshauses Walche in das Provisorium gezügelt, damit sie nicht den Unannehmlichkeiten der Umbauarbeiten ausgesetzt sind. Die Rettungswagen von Schutz und Rettung können nicht auf das Provisorium im Fluss gebracht werden, sie verbleiben im Amtshaus.

Über den/die Autor/in

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Susanna Vanek

Redaktion «Schweizer Bauwirtschaft»

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