Wie die Villa des Emigranten selbst migrierte

In Mulegns GR wurde die Weisse Villa verschoben, um mehr Platz für die Strasse zu schaffen.

Sie haben es wieder getan: Die Spezialisten der Iten AG haben bewiesen, dass das Unternehmen nicht umsonst den Übernamen «kann alls!» trägt. Sie haben in den beiden Nächten vom 18. August und vom 20. August in zwei Etappen die Weisse Villa verschoben. Das Haus des Emigranten Jean Jegher wurde um wenige Meter versetzt, um ein Problem, dass die Bewohnerinnen und Bewohner von Mulegns seit Jahrzehnten beschäftigt, zu lösen. Die gefährliche, für Lastwagen und Fussgänger schwer zu passierende Strasse zwischen der Weissen Villa und dem Rothaus soll erweitert werden. Dafür braucht es mehr Platz. Ein Trottoir soll einen sicheren Gang durchs Dorf ermöglichen. Die schweren Lastwagen werden keine Staus mehr verursachen. Mit anderen Worten: Die Bauunternehmung Iten AG hat Mulegns eine bessere Zukunft ermöglicht.

 

Der Verschiebung der Weissen Villa gingen intensive Vorarbeiten voraus. Im September 2019 erfolgte der Spatenstich. Daraufhin wurden die Kellerwände vom Haupthaus getrennt, schrittweise abgetragen und auf Stahlstelzen gestellt. Ein bewehrter Betonriegel wurde gegossen. Danach wurden die Verschubbahnen angebracht und das Haus auf die rollenden Stahlträger gestellt, die es an den neuen Standort gebracht haben. Nach dem Verschub wird das Haus ein drittes Mal umgelagert. Dann werden die Kellermauern ergänzt, die Umgebung aufgeschüttet und die Julierstrasse auf dem Teilstück neu gebaut.

 

Die Verschiebung wurde kulturell interpretiert: Von den Balkonen des reisenden Emigrantenhauses ertönten rätoromanische Heimwehlieder und erzählten vom Schicksal der zahllosen Bündner Auswanderer, für die es damals in der Heimat weder Brot noch Arbeit gab.

 

Über den Autor

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Susanna Vanek

Redaktion «Schweizer Bauwirtschaft»

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