«Wir benötigen mehr denn je Innovation»

Das revidierte Bundesgesetz über öffentliche Beschaffungen BöB ist für die Planung der Städte von morgen eine grosse Chance, findet Katrin Gügler, Direktorin des Amtes für Städtebau Zürich. 

Die öffentliche Hand vergibt jährlich Aufträge für Bauleistungen, Waren und Dienste im Wert von 10 Milliarden Franken. Diese Zahl zeigt auf, wie bedeutend dieser Sektor für die Schweiz im Allgemeinen und die Schweizer Wirtschaft im Besonderen ist. Bisher spielte der Preis bei den öffentlichen Vergaben die Hauptrolle, das schrieb das Gesetz vor. Die Revision des öffentlichen Beschaffungsrechts ermöglichte einen Paradigmenwechsel, weg vom Preisdiktat und hin zu einem Qualitätswettbewerb. Dies weil seit dem 1. Januar 2021 nicht mehr nur der günstigste Preis ein Vergabekriterium darstellt, sondern auch Qualitätsfaktoren wie der Umweltschutz oder die Qualität. Der Schweizerische Baumeisterverband SBV, der sich jahrelang stark für diesen Paradigmenwechsel eingesetzt hatte, führt ins Feld, dass der Wechsel für Bauunternehmen und Bauherren eine Chance sei. Dementsprechend sei es wichtig, dass die Umsetzung rasch erfolge. Leider sind die Kantone in dieser Sache nicht sehr schnell unterwegs. Der SBV und seine Sektionen sind im Gespräch mit den Baudirektoren, denn letztendlich ist das neue Beschaffungsrecht auch für sie ein Gewinn. Der SBV plädiert dafür, dass sich die Kantone das Tessin zum Vorbild nehmen. Dort sind die Zuschlagskriterien «Plausibilität des Angebots» und «Verlässlichkeit des Preises» zentral.

Öffentlichkeit profitiert

Welche Rolle spielt das revidierte BöB für die Öffentlichkeit? Nun, auch sie profitiert. «Qualität hat sowohl bei Planungsprozessen wie auch bei ausgeführten Bauten einen äusserst hohen Stellenwert. Dass diese durch das neuen Vergaberecht, das sich weniger am Preis orientiert, gefördert wird, kommt der Arbeit des Amts für Städtebau natürlich sehr entgegen», sagt Katrin Gügler, Direktorin des Amtes für Städtebau der Stadt Zürich. Ihr Team koordiniert die Entwicklung der Zwingli-Stadt, mit dem Ziel, die Lebensqualität zu erhalten oder zu steigern und die Infrastruktur für künftige Bedürfnisse zu sichern. Dazu sollen zukunftsweisende Bauvorhaben realisiert werden. Neben einer strategischen Stadtplanung kümmert sich das Amt für Städtebau auch für das baukulturelle Erbe.

Kügler meint weiter, dass das revidierte BöB einem Bedürfnis nachkommt. «Wir machten die Erfahrung, dass es vielen Planern und Bauherrschaften unabhängig von der Vergabeform jetzt schon ein wichtiges Anliegen ist, Projekte von hoher Qualität zu realisieren.» Weil die Lebenszykluskosten neu auch eine Rolle spielen, eröffnet sich für die öffentliche Hand ein Sparpotential.

 Zukunft braucht Innovation 

«Ein mehrheitlich am Preis ausgerichteter Wettbewerb hemmt die Innovation. Diese benötigen wir aber mehr denn je, um die komplexen Anforderungen, die uns bei dem derzeitig starken Wachstum der Stadt Zürich begegnen, zu erfüllen», sagt Gügler weiter. Sie ist entsprechend froh, dass die Innovation dank dem Paradigmenwechsel eine stärkere Rolle spielt.

 Schweiz der Zukunft 

Der Schweizerische Baumeisterverband hat letztes Jahr die Schweizer Bevölkerung zu ihren Zukunftswünschen befragt. Er wollte wissen, wie die Schweiz im Jahr 2040 aussehen soll. Mehr Informationen dazu finden Sie hier. Wenn öffentliche Vergaben sich vermehrt an der Qualität statt nur am Preis orientieren, ist das das richtige Werkzeug, um die Weichen derart zu stellen, dass die Schweiz im 2040 so aussehen wird, wie es die Bevölkerung im 2020 wünschte.

 

Über den/die Autor/in

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Susanna Vanek

Redaktion «Schweizer Bauwirtschaft»

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